Von deiner meiner = Unserer Freiheit

Wer mich kennt oder hin und wieder in den sozialen Medien, meinem Blog oder bei YouTube über meine Inhalte stolpert, wird inzwischen bemerkt haben, dass zur Freiheit, sei sie als Begriff thematisiert, an sie erinnert oder renitent verteidigt, öfters meine Gedanken umherkreisen.

* * *

Und wie Ihr bereits ahnt, werde ich in diesem Beitrag zum Thema Freiheit ein weiteres Mal versuchen, ein tieferes Bewusstsein zu schaffen. Wenngleich ich mir das nicht zwingend vorgenommen habe. Nein! Inspiration passiert einfach … Es ist schon interessant; man befasst sich mit einem Aufsatz zum Begriff, & dem Charakter der Intersubjektivität, wie dies philosophisch, psychologisch und kognitions-wissenschaftlich hergeleitet, ordentlich definiert und damit vom Menschen und seinen Beziehungen untereinander auch verstanden bzw. angewendet werden kann, tja und dann, dann landet man mittendrin bei Johann Gottlieb Fichte. Und der von Fichte formulierten wesentlichen – ich möchte es sogar der Naturnotwendigen Art & Weise nennen, wie Freiheit, Vernunft und das Menschsein ineinander verwoben sind, damit die Menschen & im Ganzen die Menschheit, Freiheit und Gerechtigkeit überhaupt gedeihen können. J. G. Fichte: Ja! Es ist nicht das erste Mal, dass ich über ihn quasi gestolpert bin. Und auch nicht der erste Beitrag, bei dem ich dank seiner Weisheit auf solide Argumentation zurückgreifen kann. Ich hätte auch die wacklige Begrifflichkeit „stützen“ verwenden können – bei Fichte braucht sich jedoch nichts „abzustützen“. Ich bin ganz der Meinung, dass Freiheit in Gehhilfen gezwängt, sich auf natürliche Weise selbst verunmöglicht. Das ist wie Schönheitsreparaturen anzubieten für etwas, dass kaputtgehauen wurde, um es zu erhalten. Versteht ihr? Das verbietet sich. Das ist die Antithese von Logik und Vernunft. Es darf hier versinnbildlicht, & schriftlich dargelegt, es darf debattiert und gestritten werden, aber über den menschlichen Intellekt darf sich Derartiges nicht hinausbewegen. Wer das nicht versteht, ist angehalten, sich zur Thematik Ideologien wissen anzueignen. Wenn wir so weit sind, Freiheit stützen zu müssen; ist das Kind längst in den Brunnen gefallen. Intersubjektivität … Bei dem Begriff weiß man sofort, was damit gemeint ist – nicht wahr? Eben. So begeistert war ich schon lange nicht mehr. Also fräst man sich durch die Seiten im Netz – das meiste davon nicht gerade die verdaulichste Lektüre. Bei manchen Autoren würde es wirklich helfen, sie würden in ihre Buchstaben-Bleiwüsten wenigstens hier und da ne Oase zum Geistigen durchatmen einpflegen. So wie ein guter Lehrer oder Dozent, der einem Vortrag hält, wert auf die richtige Betonung und pausen legt. Damit dem Zuhörer das verstehen verständlich macht und nicht zuletzt dem Minimalkonsens der allgemeinen Höflichkeit gerecht wird. Eine Wand aus Text – eine Faktenschrift für Robotermenschen, die Auswendiglernen aber kein wissen aneignen sollen, ist eben nicht alles. Wie ihr ja gerade selbst kennenlernen konntet. Verzeihung! Ab jetzt kehren wir zum (gewohnten) lesefreundlicheren Textlayout zurück!😊

Falls ihr euch für diese „Intersubjektivität“ nicht interessiert – kein Problem, das kann ich verstehen. Dieser Begriff ist nicht gerade ein sich selbst Erklärendes item. Es braucht also etwas Eigeninteresse. Man könnte es auch einen Grund nennen, weswegen man beginnt, sich (intensiver) zu informieren. Wenn man sich zur Freiheit ebenso wenig interessierte; „sie, die Freiheit, sie ist doch da – bis hierher lief’s doch ganz gut – oder nicht“ – dann sieht die Sache allerdings schon ganz anders aus.

Da mit dem Negieren der Freiheit die Interaktionen der Menschen untereinander ohnehin zu einem inhärenten Problem wurden. Sich in die Perspektive eines anderen hineinzuversetzen ist – ob zustimmend oder nicht – ein grundlegendes Merkmal im Menschsein. Wie soll das gehen, wenn es freie und unfreie Menschen gibt? Wie möchte man etwas von jemanden verlangen, wenn die Seite, die etwas verlangt, dies aus einem unfreien Milieu heraus anstrengt?

Oder dieses Verlangen und fordern anderen Menschen gegenüber zu einem unfreien Milieu, einem unfreien Leben führt? So! Und nun könnt ihr auch erahnen, wohin sich heute unsere Gedanken bewegen, & warum wir darüber mal sprechen sollten. Herzlich willkommen – schön das ihr euch die Zeit dafür nehmt!


Schauen wir im Folgenden nun einmal, was Intersubjektivität bedeutet, welche Unterscheidungen es gibt und inwiefern uns Herr Johann Gottlieb Fichte zum Thema Freiheit behilflich, aber auch eine Inspiration sein kann.

Wer zur Intersubjektivität mehr ins Detail gehen möchte, kann sich bei den Quellenangaben die Arbeit von Dr. Andrea Lailach-Hennrich, (Humboldt-Universität Berlin) als 14-Seitige-PDF ansehen. Ich verwende bzw. zitiere hier nur teilweise.

Ein Beitrag mit +-6000 Wörtern muss es nämlich (nicht schon wieder) werden. [Korrektur: Stündchen später hatte sich diese Idee jedoch (mal wieder) erledigt … Sorry ihr lieben; ich streiche schon alles an Text raus den es nicht braucht.]

* * *

„In Debatten wird über den Begriff der Intersubjektivität zur Stützung bestimmter Thesen verfügt. Wenn jedoch der Begriff der „Intersubjektivität“ einen derart argumentativen Stellenwert einnimmt, dann sollte man mehr als nur ein ungefähres Verständnis davon haben, was mit ihm gemeint ist. Man sollte zumindest wissen, welcher Sachverhalt durch ihn benannt wird.

(…)Aus diesem Grund drängt sich die Frage auf, was sinnvolle Merkmale für den in philosophischer Absicht verwendeten Begriff „Intersubjektivität“ sein könnten. Mit dem vorliegenden Aufsatz verfolge „ich“ das Ziel, eines von drei notwendigen Begriffsmerkmalen genauer zu analysieren.

B1) Es muss sich um eine Beziehung zwischen mindestens zwei Subjekten handeln.

B2) Eine intersubjektive Beziehung setzt voraus, dass die Subjekte zu einer intentionalen Bezugnahme fähig sind.

B3) Ein Verhältnis zwischen sich intentional aufeinander beziehenden Subjekten ist erst dann intersubjektiv, wenn die Bezugnahme wechselseitig erfolgt.

B2)
„Mit der zweiten Bedingung wird unterstellt, dass Subjekte, die keine intentionalen Zustände haben, auch keine intersubjektive Beziehung zu anderen Subjekten eingehen können. Was sind die Gründe für diese Behauptung? Zunächst ist vorausgesetzt, dass sich Subjekte, die sich in intersubjektiven Verhältnissen befinden, auf die psychischen Zustände anderer Subjekte beziehen können müssen.

Was dies genau beinhaltet, macht Pauen deutlich, wenn er argumentiert, dass „the decisive feature of the second person point of view“ darin bestünde, dass jemand die Perspektive eines anderen einnimmt, „who has his or her own perspective“.

Und er folgert:

„So, in some sense, the second person perspective is a second order perspective; it’s the epistemic subject’s perspective on another being’s perspective“.

Eine epistemische Perspektive zu haben, heißt aber nichts anderes, als sich intentional auf die Welt zu beziehen, in der Absicht, etwas über sie in Erfahrung zu bringen. Der Zusatz „second order“ spezifiziert also nur den Ausschnitt der Welt, auf den diese bestimmte epistemische Perspektive gerichtet ist: die Perspektiven anderer epistemischer Subjekte.

Eine solche Definition hat natürlich Konsequenzen. So sind zum Beispiel bestimmte Formen tierischer Kooperation und Kommunikation wie etwa der Informationsaustausch bei staatenbildenden Insekten oder in Schwärmen deshalb nicht intersubjektiv, weil sich die einzelnen Subjekte eben nicht intentional auf die psychischen Zustände der jeweils anderen beziehen.

Hinzu kommt, dass es Kooperationen gibt, die auf instinktiven Verhaltensabläufen basieren, und die, obzwar sie dem Erreichen eines gemeinsamen Zieles dienen, ein wechselseitiges, intentionales Engagement zwischen den Subjekten nicht implizieren. Ich denke hier insbesondere an soziale Verhaltensweisen wie das gemeinsame Jagen oder die Fellpflege bei Primaten.(…)“

B3)
„Mit der dritten Bedingung ist behauptet, dass ein Verhältnis zwischen sich intentional aufeinander beziehenden Subjekten erst dann intersubjektiv ist, wenn die Bezugnahme reziprok erfolgt. Ich gehe davon aus, dass mit der Reziprozität nicht nur ein notwendiges sondern sogar ein hinreichendes Begriffsmerkmal benannt ist.

Unter „Reziprozität“ verstehe ich folgendes:

Die an einer intersubjektiven Beziehung beteiligten Wesen beziehen sich wechselseitig auf die psychologischen Zustände des jeweils anderen, was u. a. einschließt, dass sich das einzelne Subjekt sowohl als Adressat der Bezugnahme verstehen als auch auf die Bezugnahme selbst reagieren kann, etwa indem es seine eigenen Einstellungen oder sein Verhalten aufgrund der Einstellungen oder des Verhaltens des jeweils anderen Wesens anpasst und modifiziert.

Die Bedingung der Reziprozität ist allerdings durchaus umstritten. Ein Grund für die Ablehnung ist das Festhalten an einer Unterscheidung, die Trevarthen eingeführt hat: die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Intersubjektivität.

Unter primärer Intersubjektivität werden die ersten eher unstrukturierten Interaktionen zwischen einem Säugling und seiner Bezugsperson verstanden. Gemeint sind Interaktionen wie Augenkontakte, das Heben der Arme, erste Gesten, das Zeigen von Freude und Spaß beim Kontakt mit den Bezugspersonen, etc. Sekundäre Intersubjektivität bezeichnet demgegenüber den intentionalen Bezug auf den Anderen als psychologisches Subjekt.

Pflichtet man Pauen darin bei, dass die zweite Person Perspektive letztlich eine second order Perspektive ist, dann ist die Rede von einer primären Intersubjektivität schon aus Gründen der begrifflichen Korrektheit nicht sinnvoll.

Es wäre an dieser Stelle besser von sozialen Interaktionen zu sprechen, die eben auch dann gegeben sind, wenn die Subjekte (noch) nicht die Perspektive des jeweils anderen ein- und übernehmen. Auch wenn ich bezweifle, dass eine solche second order Perspektive impliziert, dass ein Subjekt tatsächlich in einem starken Sinne weiß, dass andere Wesen eine eigene Perspektive haben, stimme ich der sich ergebenen Konsequenz zu:

Interaktive, kooperative und kommunikative Verhältnisse zwischen Subjekt sollten erst dann als intersubjektive Verhältnisse gekennzeichnet werden, wenn sie zugleich durch eine Perspektivenübernahme charakterisiert werden können.“

Fichte

Fichtes Intersubjektivitätstheorie findet sich im Zweiten Lehrsatz, genauer im dritten Paragraphen seiner Naturrechtslehre. Ausgehend von der transzendentalen Bestimmung des Ichs, die er in der Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre von 1794 gegeben hatte, präsentiert er hier jene Bedingungen unter denen das endliche Subjekt zu einem Bewusstsein seiner eigenen Subjektivität gelangen kann.

Dadurch, dass er diesen Bedingungen in der Deduktion des Rechtbegriffs nachgeht und den epistemischen Selbstbezug als praktisches Selbstverhältnis interpretiert, will er aber nicht nur das Selbstbewusstsein endlicher Subjekte erklären, er will zugleich diese Erklärung von einem Problem befreien, das sich in der Wissenschafts-lehre ergeben hatte.

Das Problem ist folgendes:

Sobald Selbstbewusstsein als ein Akt der tätigen Reflexion auf eben diesen Akt verstanden wird, muss seine Erklärung entweder zirkulär ausfallen oder in einen unendlichen Regress führen, weil Selbst-bewusstsein entweder an einem Punkt unterstellt oder aber vorausgesetzt werden muss, der allererst seiner Erklärung dienen soll.

In jedem Fall, so Fichte, findet sich kein möglicher Punkt, „an welchem wir den Faden des Selbstbewusstseyns, durch den alles Bewusstseyn erst möglich wird, anknüpfen könnten.“

Wie also lässt sich Selbstbewusstsein dann erklären?

Schon in der in der Überschrift des dritten Paragraphen macht Fichte in thetischer Form deutlich, wie die Lösung des Problems aussehen sollte. „Ein endliches Vernunftwesen“, heißt es dort, kann sich selbst eine freie Wirksamkeit in der Sinnenwelt „nicht zuschreiben, ohne sie auch anderen zuzuschreiben“.

(Und sich selbst eine freie Wirksamkeit zuzuschreiben, meint nichts anderes, als ein selbstbewusstes Subjekt zu sein.) Zum Beweis dieser These präsentiert Fichte ein „radikales Argument“, demzufolge ein Subjekt nur dann ein Bewusstsein seiner selbst als freies Vernunftwesen erlangen, wenn es durch ein ebensolches Vernunftwesen dazu aufgefordert wird.

Zunächst formuliert Fichte eine Art Regressstopper:

Die Wirksamkeit des Subjekts müsse mit dem Objekt – in diesem Fall dem Akt der Reflexion auf sich selbst – „in einem und ebendemselben Momente synthetisch vereinigt“ gedacht werden, so dass das „Object kein anderes (sey) als diese Wirksamkeit des Subjects“ selbst.

Doch damit scheint das Problem nur verschoben, denn wie sollte ein Objekt mit der Wirksamkeit des Subjekts identisch sein, wenn, wie Fichte in der Wissenschaftslehre gezeigt hat, das Objekt als diejenige Entität verstanden werden muss, die dem Subjekt nicht nur entgegengesetzt ist, sondern die seine freie Wirksamkeit zudem hemmt.

Die von Fichte geforderte synthetische Vereinigung kann nur dann gelingen, wenn das Objekt selbst den Charakter der freien Wirksamkeit aufweist. Das heißt aber nichts anderes, als dass es sich selbst bestimmen können muss. Anzunehmen Subjekt und Objekt wären im Akt der Reflexion synthetisch vereinigt mutet uns allerdings, so Fichte, einen vollkommenen Widerspruch zu.

Wie lässt sich dieser Widerspruch auflösen?

Fichtes Vorschlag:

Beide wären genau dann vollkommen vereinigt, wenn wir das „Bestimmtseyn des Subjects zur Selbstbestimmung“ als „eine Aufforderung an dasselbe“ interpretieren, sich „zu einer Wirksamkeit zu entschließen“.

Wir müssen also nur noch zeigen, wie eine solche Aufforderung aussehen muss.

Klar ist, dass sich das Subjekt nicht selbst auffordern kann, denn eine solche Selbstaufforderung führte nur erneut in die beschriebenen Probleme. Doch auch Objekte sind dazu nicht in der Lage. Zum einen natürlich deshalb nicht, weil sie das dem Subjekt Entgegengesetzte sind; genau dadurch entstand ja der oben genannte Widerspruch. Es gibt aber noch einen weiteren Grund.

Angenommen Objekte wären zur Aufforderung fähig, dann wäre diese durch die Gesetze der Kausalität bestimmt, woraus folgte, dass das Subjekt sich zu seiner Selbstbestimmung gezwungen sehe so, wie die Ursache die Wirkung erzwingt.

Für Fichte ist aber klar, dass Selbstbestimmung nicht aus einer Nötigung resultieren kann; denn immerhin soll sich das Subjekt als ein frei wirksames Wesen bestimmen.

Jede Form von Nötigung und sei es nur die naturgesetzlicher Kausalität muss mit dieser Freiheit in Widerspruch stehen. Aus dieser Einschränkung ergibt sich eine Forderung an die Natur der Aufforderung:

Sie sollte dem Subjekt die Möglichkeit der Entscheidung lassen, während die auffordernde Entität ebenfalls von der Aufforderung zutreten können sollte.

Hinzu kommt eine weitere Bedingung.

Die Aufforderung kann nur an ein Wesen ergehen, dem unterstellt wird, dass es zu einer Selbstbestimmung fähig ist, andernfalls liefe die Aufforderung in die Leere. In Fichtes eigenen Worten:

„Die gesetzte Ursache der Aufforderung ausser dem Subjecte muss demnach wenigstens die Möglichkeit voraussetzen, dass das letztere verstehen und begreifen könne, ausserdem hat seine Aufforderung gar keinen Zweck.“

Sobald jedoch die Aufforderung mit einem Zweck verbunden ist, mithin aufgrund von Zweckmäßigkeit erfolgt, muss die ihr zugrunde liegende Ursache „nothwendig den Begriff von Vernunft und Freiheit haben; also selbst ein der Begriffe fähiges Wesen, eine Intelligenz, und, da eben erwiesenermaassen dies nicht möglich ist ohne Freiheit, auch ein freies, also überhaupt ein vernünftiges Wesen seyn, und als solches gesetzt werden.“

Was das Argument zeigen also soll, ist, dass die auffordernde Entität ein zwecksetzendes Wesen sein muss, und ein solches kann nur als zugleich vernünftiges und freies Wesen gedacht werden. Damit sind die Eigenschaften benannt, die auffordernde Subjekte haben sollten. Was noch fehlt, ist der Nachweis, dass die Aufforderung wechselseitig zu erfolgen hat, damit ein Subjekt sich seiner selbst als frei tätiges Wesen bewusst werden kann.

Wir hatten schon gesehen, dass dem aufgeforderten Subjekt zumindest unterstellt ist, dass es auf die Aufforderung mit einer freien Wirksamkeit reagieren kann. Fichte fügt aber noch ein weiteres Argument hinzu:

Ein vernünftiges, nach Zwecken handelndes Wesen kann einen Begriff von sich selbst als frei wirksam nur dann fassen, wenn es die damit verbundene Zweckmäßigkeit einsieht.

Dies kann ihm jedoch nur dann gelingen, wenn die Aufforderung zur freien Wirksamkeit von einem Wesen ausgeht, das selbst die mit der Aufforderung verbundene Zweckmäßigkeit einsehen kann, andernfalls wäre letzteres erst gar zu einer solchen veranlasst. Mithin muss jedes auffordernde Subjekt zugleich ein aufgefordertes Subjekt sein.

Im Ergebnis setzt eine intersubjektive Beziehung im Sinne Fichtes voraus, dass die an ihr beteiligten Wesen vernünftige Wesen sind, die prinzipiell zu einer freien Selbstbestimmung aufgefordert werden können. Wären diese Eigenschaften nicht gegeben, käme es gar nicht erst zu der wechselseitigen Aufforderung und damit auch nicht zur Selbstbestimmung als ein frei wirksames Wesen.


Das erste Begriffsmerkmal von Intersubjektivität

Was hat uns dieser Parcour de Force durch eine Reihe von Intersubjekt-ivitätstheorien gezeigt? Ich hoffe eines: Relata einer intersubjektiven Beziehung sind Subjekte, denen ganz bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden.

Für Fichte müssen es Vernunftwesen sein, die frei wirksam sein können; nur so sind sie zum einen zu einer Aufforderung fähig und können zum anderen als Reaktion auf diese Aufforderung sich selbst als frei wirksame Wesen bestimmen.

Für Sartre hingegen sollten es Subjekte sein, die ihr eigenes Sein im Blick des Anderen in Frage stellen können, um sich letztlich als anerkennendes-anerkanntes Subjekt der eigenen Freiheit bewusst zu werden.

Die Subjekte, die Mead als Teile einer intersubjektiven Beziehung sieht, sollten zur Perspektivenübernahme fähig sein und sich zudem mit Lautgebärden verständigen können.

Für alle drei gilt jedoch, dass Subjekte, die diese Eigenschaften nicht aufweisen, auch nicht Teil der intersubjektiven Beziehung sein können.

* * *

In aller Regel sollte zu guter Letzt ein Fazit gezogen werden. Aber auch die Frage(n) erlaubt sein, ob man die gegenwärtigen Angriffe auf unsere Freiheit unter dem Deckmantel zum „wohle aller“ der „Gesundheit“ und aus „Solidarität“ einfach so hinnehmen kann? Im „Homeoffice“, beim „Lebenretten“ und Nichtstun?

Oder ob wir möglicherweise schon so weit sind, in unseren intersubjektiven Beziehungen einen nicht unerheblichen Schaden angerichtet zu haben? Ich hatte eingangs erwähnt, was uns egal sein kann und was nicht. Und wohin dies führt.

Uns sind allerdings nicht die Hände gebunden. Gleichwohl dürfen uns die Hände nicht gebunden sein, wenn im TV Menschen verunglimpft werden, die für ihre rechte, die rechte anderer und die Wiederherstellung parlamentarischer Demokratie einstehen.

Der Staat kann „Entwicklungshilfe“ im dreistelligen Millionenbereich/Jahr an China leisten – aber die Pflege, die Lage der Intensivstationen mitsamt der Belegschaften bekommt der Staat seit Jahren nicht in den Griff?!

Wem sollen wir eigentlich die Sache in die Schuhe schieben, wenn wir nicht ein einziges Mal derartigen Zuständen die Rote Karte zeigen? Den Hochleistungspolitikern?

Die haben ihr Geld …

Und ihr habt es am Arbeitsplatz verdient. Wäre es nicht Fair, dafür eine Gegenleistung zu bekommen? Ja, worüber reden wir hier überhaupt?

Meine Freiheit im Blick anderer

Wenn meine Freiheit im Blick des anderen & die Freiheit anderer in meinem Blick denselben Vorstellungen entspricht; wenn man die eigene Freiheit im Blick des anderen sicher & behütet weiß; wurde der Mensch zum Menschen & Freiheit immanent.

© Alpha Rocking

Freiheit impliziert also immer die Freiheit des anderen. Kommt uns bekannt vor? Rosa Luxemburg? Ja, richtig! Natürlich: Das wäre die Idealvorstellung von Freiheit. Die (leider) aus verschiedenen Gründen noch nicht gelebt wird. Aber: Durch ebendiese Wechselbeziehung entsteht (im Idealfall) die kollektive Freiheit, die jedoch immer einer Gratwanderung gleichkommen wird, da der Mensch sein eigenes Wohl in der Regel über das Allgemeinwohl stellt. Wenngleich man damit insofern zurechtkommen würde, wenn ehrliche Bestrebungen zum Dialog untereinander durch ein gewisses Klientel nicht versucht würden, zu verunmöglichen.

(Erstaunlicherweise soll inzwischen das Allgemeinwohl ja über das eigene Wohl gestellt, & gelebt werden.)

Dialogverweigern dergestalt, da Menschen anderer Meinung kurzum ausgegrenzt, verächtlichgemacht, diffamiert und von dem Debattenraum ausgeschlossen werden sollen. Nicht selten von jenen, die anderen Toleranz abverlangen – aber die diese Maßstäbe, auf die eigene Person bezogen, gänzlich vermissenlassen, & nicht mal begreifen, was sie damit insgesamt verlangen und fordern.

Ist es da nicht folgerichtig, wenn Menschen von solchen Methoden genug haben und ihren Unmut auf die Straßen tragen? Was sollen sie denn sonst tun? Eben. Was meint Ihr? Habt Ihr fragen, Ergänzungen, Ideen oder auch Kritik? Lasst es mich wissen – unter dem Beitrag darf gerne kommentiert werden. Und damit soll es das für heute gewesen sein. Danke für euer Interesse, & auf bald!


© Alpha Rocking

Quellenangaben:

Dr. Andrea Lailach-Hennrich:

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