Was eigentlich bedeutet das „kar“ in der Karwoche?

Mein Blog-Jubiläum fällt dieses Jahr auf den Ostersonntag. Ja! alpharocking.wordpress.com wird heute stolze 3 Jahre jung! 🤗🦉😃

Somit freut es mich heute ganz besonders, dass ich einen netten Beitrag rund um die Osterzeit habe finden können, den ich vor Euch natürlich nicht länger verstecken möchte …

3 Jahre alpharocking.wordpress


von maribar24:

„Eiszeitliche Höhlenmalereien belegen, dass Eier seit den Anfängen der Menschheit als Sinnbild für die Wiedergeburt galten. Aus dem Ei entsteht neues Leben und seine Form wurde als Grab nachgebildet als Durchgang für die Wiedergeburt.

Die „Wiedergeburt des Jahres“ wird angekündigt durch den Frühling, so wie die „Wiedergeburt des Tages“ mit der östlichen Morgenröte beginnt. Ostern hat daher natürlich den gleichen Wortstamm wie Osten.“


So, also mit dem morgigen(…) Palmsonntag beginnt im Christentum die Karwoche. Interessant daher, sich ein wenig mit dem Wort „kar“ zu beschäftigen. Meist lesen wir, das dieses vom althochdeutschen „kara“ oder „chara“ kommt, was Klage, Kummer, Sorge oder Trauer bedeutet.

Trauern und Klagen passt aber so gar nicht zu dieser Zeit im Jahr, wo endlich Kälte und Winter vorüber sind, und damit ist anzunehmen, dass es zu Frühlingsbeginn auch keine stillen, besinnlichen und mitunter traurigen Jahreszeit feste gegeben hat. Die Feiern zu Frühlingsbeginn sind ja schon wesentlich älter als das Christentum und waren mit hoher Wahrscheinlichkeit fröhlich, hoffnungsfroh und ausgelassen.

Alles Schwere, Klagende und Traurige können wir daher dem typisch christlich-patriarchalen Gedankengut zuschreiben. Lebensfreude, das Erwachen der sinnlichen Lebensgeister passte halt so gar nicht ins Konzept der Kirche mit ihren Machtansprüchen über die Gläubigen, denn je fröhlicher und ausgeglichener Menschen sind, umso schlechter lässt sich über diese bestimmen. Daher galt es offenbar gleich zu Frühlingsbeginn alles, was in Richtung Lebensfreude geht, gleich einmal zu unterdrücken und im Keime zu ersticken.

Doch die Menschen fühlen ja, was in der Natur und damit auch in ihrem Inneren vor sich geht. Und daher haben sie trotz christlich auferlegter klagender Trauer ihre eigenen bunten und fröhlichen Bräuche.

Hart und eingeschlossen

Was also hat es mit dem kurzen Wörtchen „kar“ auf sich? Dies ist neben der schon erwähnten Bedeutung des Klagens und Trauerns auf eine noch ganz andere Sprachwurzel zurückzuführen: Es geht hier um einerseits etwas „Einschließendes“ bzw. „Eingeschlossenes“, andererseits auch um „hart“.

In indoeuropäischen Sprachen ist „kar“ ganz allgemein der Begriff von „Dingen mit harter Schale“. Im Lateinischen werden wir fündig: „carīna“ heißt Boot bzw. Nussschale, Im Altgriechischen ist „káryon“ das Wort für Nuss, die verdoppelte Form „karkinos“ ist im Altgriechischen eine mythologische Riesenkrabbe, die wurde zu „cancer“ – Krebs, Krabbe, Tiere also mit einer harten Schale.

Im Altsächsischen bedeutet „bîkar“ Bienenkorb. Im Niederländischen ist „kaar“ der Fischkasten. In den Geschichten von Till Eulenspiegel gibt es einen „molkenkar“ – Melkeimer.

Auch eine Hohlform in einer Felswand und Ursprungsgebiet eines Gletschers wird als Kar bezeichnet. Und in südlichen deutschen Dialekten wird die Silbe „kar“ für diverse Küchengeräte verwendet, z.B. „bachkârl“ für Backschüssel. Auch die deutschen Worte Karton, Karren, Karaffe, Karosse, Karzer, Karzinom enthalten noch diese Silbe. All das sind Begriffe für Gefäße und Hohlräume, meist mit einer harten Schale, die das darin Befindliche sicher umschließt.


Eiförmige Grabstätten

Was also hat nun dies Wort für einen „fest umschlossenen Hohlraum“ mit der (christlichen) Kar-Zeit vor Ostern zu tun?

Dazu ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit: Vor 6000 Jahren gab es in Malta das Hypogäum von Hal Saflieni. Es ist noch gut erhalten und wurde im Jahr 1980 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Es besteht aus vielen unterirdischen Gängen, Hallen und Nischen und erstreckt sich über drei Ebenen.

In diesem riesigen unterirdischen Gewölbe gibt es viele eiförmige Räume in unterschiedlicher Größe, deren Decken und Wände durchgängig in Rot bemalt sind. Es wird angenommen, dass dies Grabkammern waren.

Vasen und andere Gegenstände in diesen eiförmigen Kammern zeigen rote Eier. Auch an vielen anderen Orten in Alt-Europa wurden derartige in Fels gehauene historische Grabmale und Gräber in Ei-Form gefunden. Die Toten wurden in vor-patriarchaler Zeit in Embryo-Haltung bestattet – in eiförmigen Erdgruben und Grotten, sowie auch in bauchigen Tongefäßen.

Jetzt kommen wir zur Bibel: „Und Josef nahm den Leib [Christi] und wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon.“ (Matthäus 27, 59-60).

Also wir sind hier noch ganz in der alten Tradition der Grabkammer in einem Felsen. Und die Geschichte von Josef von Arimathäa, der sich um den Leichnam von Jesus kümmerte, bringt uns noch auf eine ganz andere Bedeutung von „kar“ in Sinne von „Sorge“. Dies verweist auf den englischen Begriff „care“.

„To take care“ bedeutet: Sorge tragen, sich um jemanden sorgen, auf etwas aufpassen, es hüten, sich verantwortlich fühlen. Sorge also eher im Sinne von Für-Sorge. Damit würde auch „kar“ in der Übersetzung für Sorge Sinn machen.

Und wäre ein gutes Motto (nicht nur) für die Karwoche: Aufmerksam sein, Sorge tragen für die Natur, für die Mitmenschen und (als Burnout-Prävention) auch für sich selbst.


Eier und die Wiedergeburt

Nun zu den Eiern: Eiszeitliche Höhlenmalereien belegen, dass Eier seit den Anfängen der Menschheit als Sinnbild für die Wiedergeburt galten. Aus dem Ei entsteht neues Leben und seine Form wurde als Grab nachgebildet als Durchgang für die Wiedergeburt.

Die „Wiedergeburt des Jahres“ wird angekündigt durch den Frühling, so wie die „Wiedergeburt des Tages“ mit der östlichen Morgenröte beginnt. Ostern hat daher natürlich den gleichen Wortstamm wie Osten.

Rot ist dabei immer die Farbe des kraftvollen Lebens, jene des Blutes als Lebenssaft. Daher ist es seit jeher Brauch, sich bei diesen Frühlingsfesten rot gefärbte Eier zu schenken. Wohl auch als Freude darüber, dass die Hennen wieder Eier legen, was sie ja, wenn sie freilaufend und nicht durch künstliches Licht beschienen sind, im Winter nicht tun.

Der Be­ginn des neuen Eier­le­gens galt übrigens als si­che­res Zei­chen für den Früh­ling, denn eine Hen­ne legt näm­lich dann Eier, wenn ihre Reti­na, also je­ner Teil des Auges, der das Licht ein­fängt, mehr als 12 Stun­den am Tag von Licht sti­mu­liert wird. Und mehr als 12 Stunden Helligkeit – das beginnt exakt zur Frühlings-Tag-und Nachtgleiche.

*  *  *


Hier geht es weiter zum gesamten Beitrag:

Oh Göttin – Was eigentlich bedeutet das „kar“ in der Karwoche?

Ein Beitrag von maribar24


Liebe Grüße & Euch allen ein schönes, friedliches Osterfest. 🤗🌱🦉🥚🐤🐣🦋🙂

Beitragsbild: Happy Easter BY Dr007

4 Kommentare zu „Was eigentlich bedeutet das „kar“ in der Karwoche?

Gib deinen ab

  1. Der Osterbrauch geht sehr weit in die Menschheitsgeschichte Mitteleuropas zurück und hängt unmittelbar mit der s.g. ,,,Fastnacht“ zusammen.
    Es wurden ja Wintervorräte eingelagert. Trockenfleisch, Pökelfleisch, Getreide , Wurzelfrüchte …
    Das Alles hielt sich aber nur begrenzt. Und je nach Ernte/Einlagetungsmenge waren die Vorräte etwa im Februar erschöpft und es begann eine ,, Hunger Zeit“ .
    Die heutige Fastenzeit nach der Fastnacht.
    Diese dauerte so lange bis die Natur wieder erwachte , das erste Grün sich zeigte und eben die Vögel ihre ersten Eier in den Nestern hatten.
    So ward Ostern geboren.
    Zunächst bestimmte die Natur den Zeitpunkt. Später wohl der Mond, die Sonne und die Gestirne .
    Bis sich die Kirche des Osterfestes bemächtigte und es wiedersinniger Weise auf ein festes Datum festlegte….
    Vielleicht ist gerade Corona eine Gelegenheit sich zurückzubesinnen ??

    Gefällt 1 Person

    1. Frohe Ostern … 🐣

      Gute Erklärung!

      Also lässt sich dieses Brauchtum doch sehr nachvollziehbar auf natürliche Rhythmen zwischen Mensch & der Natur zurückführen. Zumal ja ab etwa dem 20. März die Tag-Nacht-Gleiche erreicht ist & die Tage von da an auch wieder länger werden. Was dann zum Frühling führt. 🙂

      Angenommen Corona ist eine normale Grippe – dann hat auch die Grippe-Saison im Frühling in der Regel ein Ende. Gegen Mai, Juni ist doch die Grippe meist längst überwunden. Was ich bei Corona konkret ja auch vermute.

      Gefällt mir

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