„Superentity“ – die Super-Einheit von 147 Konzernen, Banken, Politik & Geld-Adel – & Der Grund von ungerechter Verteilung Weltweit !

„An den Drähten der Finanzindustrie zappeln“ seit 2008 “ die Hauptdarsteller auf den Bühnen der EU- und Eurokrise“, schreibt Jürgen Habermas in seinem Aufsatz „Rettet die Würde der Demokratie“ (FAZ, 4.11.11).

Und der Schriftsteller Ingo Schulze:

„Jeden Tag ist zu hören, die Regierungen müssten ’die Märkte beruhigen’ und ’das Vertrauen der Märkte wiedergewinnen’. Mit Märkten sind vor allem die Börsen und Finanzmärkte gemeint, damit also jene Akteure, die im eigenen Interesse oder im Auftrag anderer spekulieren, um möglichst viel Gewinn zu machen.

Sind das nicht jene, die das Gemeinwesen um unvorstellbare Milliarden erleichtert haben? Um deren Vertrauen sollen unsere obersten Volksvertreter ringen?“         (SZ, 12.1.12).


In diesem Artikel geht es um´s Geld – und um „Die Herren des Geldes“ – welche ganzen 99% der restlichen deutschen, sowie Weltweiten Bevölkerung entgegenstehen. Also: Eine winzige Minderheit von 513 deutschen Superreichen. Welche, selbst mit Familienangehörigen weniger als ein Zehntel Promille der deutschen Bevölkerung ausmacht, aber über mehr Vermögen verfügt, als die unteren zwei Drittel, also die ärmeren 66 % der restlichen deutschen Bevölkerung.

Wer sind die 1 % und wie weit reicht ihre Geldmacht?

Eine Detaillierte Antwort auf diese frage kann uns das „Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V“ und der Autor Fred Schmid mit der Veröffentlichung: „DIE HERREN DES GELDES – REICHTUM UND MACHT DES 1%“ vom März 2012 geben.

Dieses „isw-Spezial“ wird belegen, dass die Zahlen 99 % gegen 1 % tatsächlich die Reichtumsverteilung auf der Welt und die in Deutschland aufschlüsselt. In Deutschland besitzen die eine Million (Dollar-) Millionäre so viel an Geldvermögen wie die übrigen über 81 Millionen Deutschen. Weltweit haben sich die globalen 12,5 Millionen Millionärshaushalte 39 % des globalen Reichtums angeeignet. Und der Reichtum an der Spitze nimmt immer schneller und heftiger zu. 2010, ein gutes Jahr nach dem von der Investmentbank Lehman Brothers ausgelösten Finanzschock, stiegen die Millionärsvermögen um 13,9 %. Die reale Wirtschaft stagniert, die Staaten versinken im Schuldensumpf, aber die Vermögen der Millionäre und Milliardäre blühen in zweistelligen Prozentzahlen.

herren des geldes
„Die „Herren des Geldes“ / Publikationsreihe isw-spezial: ISSN 1614-9270. 
Fred Schmid / isw – Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V

Für die vorliegende Analyse wurden folgende Studien herangezogen: Credit Suisse, Global Wealth Report 2011; Allianz Versicherung: Global Wealth Report 2011; Capgemini/Merrill Lynch: World Wealth Report 2011; Boston Consulting Group: Shaping a New Tomorrow – Global Wealth 2011; Valluga: D.A.CH-Vermögensreport 2011; die Liechtensteiner Investmentgesellschaft Valluga beschränkt sich auf die Untersuchung der Vermögensverhältnisse im deutschsprachigen Raum: Deutschland, Österreich, Schweiz (D = Deutschland; A = Austria; CH steht für Schweiz). In die Untersuchung mit einbezogen wurde auch die Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich über die gegenseitige Verflechtung der Transnationalen Konzerne – allen voran der Finanzkonzerne – und der daraus resultierenden Konzernmacht: S.Vitali, J. Glattfelder, S. Battiston: The network of of global corporate control.

Das private Geldvermögen setzt sich zusammen aus Bargeld, Sichteinlagen, Spareinlagen, Termingeldern, Wertpapieren, Investmentzertifikaten, Aktien, Bausparanlagen, Anlagen bei Versicherungen und Fonds. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich im wesentlichen auf das private Geldvermögen. Lediglich Credit Suisse und Valluga machen Angaben zu den Dimensionen des privaten Gesamtvermögens.

Nach Credit Suisse betrug das weltweite Gesamtvermögen Mitte 2011 231 Billionen (231.000 Mrd.) Dollar; gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 19 Prozent (2010: 195 Billionen Dollar; S. 3). Pro erwachsenem Erdenbürger ergibt das im Durchschnitt ein Vermögen von 51.000 Dollar (S. 6). Gegenüber dem Jahr 2000 hat sich dieses Vermögen mehr als verdoppelt: damals 113 Billionen Dollar. Der Durchschnitt sagt nichts über die Verteilung des Vermögens aus. Die Angaben und Berechnungen dazu sind frappierend:

Die untere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt weniger als ein Prozent des globalen
Vermögens; auch die unteren zwei Drittel besitzen praktisch nichts: 3,3 % des Welt-Gesamtvermögens. Dagegen besitzen die reichsten zehn Prozent (genauer: 8,7 %) der Menschheit 84 % des globalen Privatvermögens (Credit Suisse, S. 14).

Und das Top-0,5 % der Weltbevölkerung – Vermögens-Millionäre und Multi-Millionäre – nennt 38,5 % des globalen Gesamtvermögens sein Eigen. An Hand einer Lorenzkurve lässt sich berechnen, dass das reichste 1 % der Weltbevölkerung ca. 45 % des Weltvermögens besitzt (Credit Suisse, S. 13f). Nach Schätzungen von Credit Suisse sind darunter 85.000 Personen mit mehr als 50 Millionen Dollar Vermögen und 29.000 mit mehr als 100 Millionen.

vermögenspyramide
„Die Herren des Geldes“ – Publikationsreihe isw-spezial: ISSN 1614-9270

Geldvermögen Nach Angaben der internationalen Management-Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG) kletterte das globale Geldkapital 2010 um 8,0 Prozent auf 121,8 Billionen Dollar (BCG, S. 8). Es betrug damit um genau 10 Billionen Dollar mehr als 2007, dem höchsten Vorkrisenstand. Und 27 % mehr als fünf Jahre davor (2005) – trotz Finanzkrise. (Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Allianz Global Wealth Report 2011: Danach betrug das globale Geldvermögen 2010 95,3 Billionen Euro.

Es lag 3,3 % über dem Ende 2007 erreichten Höchststand von 92,2 Billionen Euro; Allianz, S.14). Nach der Prognose von BCG wird der private Geldschatz bis 2015 noch einmal um ein Drittel (32,9 %) zunehmen und dann 161,9 Billionen Dollar betragen. „Die überwältigende Mehrheit des globalen Reichtums – 87 % – war im Besitz von Haushalten mit mehr 100.000 Dollar Assets under Management“, heißt es im BCG-Report weiter (BCG, S. 7). Noch stärker konzentriert sich der Reichtum auf die Millionärshaushalte.

Die 12,5 Millionen MillionärsHaushalte weltweit, die gerade mal 0,9 % aller Haushalte ausmachen, haben sich inzwischen 39 % des globalen Geld-Reichtums angeeignet: 47,5 Billionen Dollar. Jeder dieser Millionärshaushalte verfügt im Durchschnitt über 3,7 Millionen Dollar. Die Millionärsvermögen waren gegenüber dem Vorjahr (2009) um fast 14 % (13,9 %) gestiegen.

Zu ähnlichen Ergebnissen wie die BCG kommen Capgemini/Merrill Lynch, die ihren jährlichen World Wealth Report (WWR) bereits seit über zehn Jahren vorlegen. Sie untersuchen nicht den Reichtum der Haushalte, sondern der Individuen, und zwar der Erwachsenen: der High Net Worth Individuals (HNWIs). Die HNWIs sind (erwachsene) Personen, die über ein Finanzvermögen (ohne selbstgenutzte Immobilien) von mindestens einer Million Dollar verfügen.

Von diesen HNWI gibt es weltweit 10,9 Millionen mit einem gesamten Geldvermögen von 42,7 Billionen Dollar im Jahr 2010: + 9,7 % gegenüber dem Vorjahr (2009). Die Summe der Millionärsvermögen lag 2010 um genau 2 Billionen Dollar (5 %) über dem Vorkrisenjahr 2007 (Capgemini 2011, S. 4f).

Die Krise schlug sich bei den Öffentlichen Haushalten und dem Portemonnaie von Otto Normalbürger nieder, nicht bei der Geldaristokratie. Vor einem Dutzend Jahren war der globale Geldadel erst halb so reich wie 2010. Das Geldvermögen der Dollar-Millionäre hat sich in diesem Zeitraum glatt verdoppelt: Von 21,6 Billionen Dollar im Jahr 1998 auf 42,7 Billionen in 2010 (Capgemini 2001 und 2011).

spitze des reichtums
„Die Herren des Geldes“ – Publikationsreihe isw-spezial: ISSN 1614-9270

Daneben unterscheiden Capgemini/Merrill Lynch noch die Population der Ultra-HNWIs, das sind Menschen mit einem Geldvermögen von 30 Millionen Dollar und mehr. Deren Vermögen stieg 2010 um 11,5 %. Sie machten 0,9 % der weltweiten HNWI-Population aus – also knapp Hunderttausend (98.000), verfügen jedoch über 36,1 % des gesamten HNWI Vermögens: also 15,4 Billionen Dollar. Im Durchschnitt und pro Kopf entfallen auf die HNWI-Personen 3,9 Millionen Dollar an Geldvermögen. Bei den Ultra-HNWIs sind es pro Kopf im Durchschnitt 157 Millionen Dollar. Ende 2010 hielten die HNWIs 33 % ihres Vermögens in Aktien (2009: 29 %). Die Barmittel fielen 2010 auf 14 % (2009: 17 %), und der Anteil der festverzinslichen Anlagen sank von 31 auf 29 %. Im Bereich der „alternativen Investitionen“ setzten viele HNWIs 2010 auf Rohstoffe/Nahrungsmittel: Diese machen inzwischen 22 Prozent aller alternativen Investitionen aus; im Jahr davor 16 %. (ebenda, S. 17)

2. Deutschland: Eine Million Millionäre

Für Deutschland zählt der World Wealth Report (Capgemini) für das Jahr 2010 insgesamt 924 Tausend Dollar-Millionäre, 62 Tausend mehr (+ 7,2 %) als im Jahr davor. Hielt der Trend an, dann dürfte es Ende 2011, Anfang 2012 in Deutschland eine Million Dollar Millionäre gegeben haben. 924.000, das sind 1,1 % der Gesamtbevölkerung. Damit hat Deutschland in Europa nach der Schweiz die höchste Millionärsdichte. Selbst in den USA ist sie mit 1,0 % etwas niedriger

Nach Angaben der Deutschen Bundesbank betrug das gesamte Geldvermögen aller privaten Haushalte Ende 2010 fast fünf Billionen Euro: 4.930 Milliarden Euro. Gegenüber 1990 hatte es sich glatt verdreifacht.

dollarmillionäre
„Die Herren des Geldes“ – Publikationsreihe isw-spezial: ISSN 1614-9270

Bei einem Euro-Dollar-Kurs von 1,35 Ende 2010 waren das in Dollar gerechnet 6,66 Billionen Dollar. Nach Berechnungen von Capgemini/Merrill Lynch besaß jeder europäische HNWI im Durchschnitt 3,3 Millionen Dollar an Geldvermögen. Legt man diese Größe auch bei den 924.000 deutschen HNWIs zugrunde, dann machte ihr gesamtes Geldvermögen Ende 2010 3,04 Billionen Dollar aus. Bezogen auf das gesamte deutsche Geldvermögen macht das einen Anteil von fast 46 % (45,6 %) aus. Das bedeutet:

Die Geld-Dollar-Millionäre in Deutschland besitzen fast die Hälfte des gesamten Geldvermögens. Das 1 % (1,1 % der Gesamtbevölkerung; 1,4 % der Erwachsenen) hat fast soviel Geld wie die restlichen 99 % der Bevölkerung.

Die Liechtensteiner Investmentgesellschaft Valluga untersucht speziell die Vermögensverhältnisse im deutschsprachigen Raum. In ihrem D.A.CH-Report 2011 stellt sie fest: Erstmals (2010) gibt es mehr als eine Million Euro-Millionäre in den Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz. Insgesamt 1,054 Millionen: 830.000 davon leben in Deutschland, 150.000 in der Schweiz und 74.000 in Österreich. Sie verfügen über ein gesamtes Geldvermögen von 2.849 Milliarden Euro, 190 Milliarden mehr (+ 7,1 %), als beim bisherigen Höchststand vor der Finanzkrise (2007). (vgl. Valluga, 10).

Vor allem 2010 sind die Vermögen nach dem kurzzeitigen Einbruch 2008 wieder stark angestiegen. „Gewaltige 177 Milliarden Euro (+ 8,8 %) beträgt der Vermögenszuwachs der deutschen Millionäre im Jahr 2010. Der mit Abstand reichste Millionärsclub Europas liegt somit ganz deutlich über der Zwei-BillionenMarke (2.191 Milliarden Euro). Deutschlands Millionäre haben den Höchststand des Jahres 2007 (2.050 Milliarden Euro) damit ebenfalls weit hinter sich gelassen.“ (Valluga, 11). Auch aus dem Valluga-Report wird deutlich, wie hoch die Konzentration den Reichtums auf die Millionärsschicht in Deutschland inzwischen ist: 830.000 EuroMillionäre, das sind 1 % der Bevölkerung, besitzen 44 % des gesamten Geldschatzes in Deutschland (berechnet nach Valluga 9,10).


Vermögens und Schuldenuhr / Verteilungsuhr Deutschland


Die Konzentration des Reichtums nahm im Jahr 2010 weiter zu, stellt Valluga fest (S. 15): „’Die Reichen werden immer reicher’. Was für viele nach einem simplen Vorurteil klingt, bestätigte sich auch im Jahr 2010 eindrucksvoll“. Die reichsten 30 Personen der D.A.CHRegion verfügen über rund 260 Milliarden Euro (ebenda). Die zehn reichsten Deutschen besitzen zusammen 104,8 Milliarden.

Nach den Recherchen von ManagerMagazin gab es 2010 in Deutschland 108 Vermögensmilliardäre, deren gesamtes Vermögen sich auf 307 Milliarden Euro addierte. Jeder dieser Megareichen besaß im Durchschnitt ein Vermögen von knapp drei Milliarden Euro.

Dazu kommen noch 13 Milliardärs-Großfamilien, wie die Familien Brenninkmeyer, Henkel, Haniel, Heraeus, Porsche, Siemens usw. Sie brachten es zusammen auf weitere 71 Milliarden Euro (5,5 Milliarden im Durchschnitt pro Familie). Insgesamt gebieten die vom ManagerMagazin untersuchten 500 reichsten Deutschen plus die 13 Milliardärs-Familienclans über ein gesamtes Vermögen von über einer halben Billion Euro (550 Milliarden Euro); im Durchschnitt hatte also jeder gut eine Milliarde Euro an Vermögen (1000 Millionen). Im „Durchschnitt“.

Denn selbst unter den 513 Reichsten ist nochmals eine extreme Konzentration zu beobachten.

Die ausgewiesenen 108 Milliardäre und Multi-milliardäre plus 13 Familiendynastien (= 121) machen der Zahl nach knapp ein Viertel der 513 aus, sie nennen aber 70 Prozent der Supervermögen ihr Eigen. Dennoch muss auch der „Ärmste“ der Reichen-Hitliste samt seinen Pferden nicht gerade am Hungertuch nagen: Der ehemalige Springreiter und heutige Pferdezüchter Paul Schockemöhle bringt es mit Platz 500 im Reichen Ranking immer noch auf ein Vermögen von 150 Millionen Euro (managermagazin, 11A/ 2011).

Der deutsche Hochadel des Geldes, diese winzige Minderheit der 513 Superreichen, selbst mit Familienangehörigen weniger als ein Zehntel Promille der Bevölkerung, verfügt über mehr Vermögen als die unteren zwei Drittel, also die ärmeren 66 % der Bevölkerung. Nach Berechnungen des DIW haben die unteren 70 Prozent der Bevölkerung gerade mal 5,8 % des Nettovermögens; die 513 Milliardäre und Multimillionäre haben sich dagegen einen Anteil von 5,4 % des gesamten Vermögens gekrallt.

verteilung
„Die Herren des Geldes“ – Publikationsreihe isw-spezial: ISSN 1614-9270

Eine Analyse der Vermögensentwicklung der Millionäre über die letzten Jahrzehnte zeigt Wachstumsraten von durchschnittlich 8 % pro Jahr. „Die Vermögen der Reichen und Superreichen sind auch in der Vergangenheit etwa 2,5 bis dreimal so schnell gewachsen wie ihre Volkswirtschaften.

Dieser Beschleunigungstrend besteht bereits seit Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts und wurde durch die zunehmende Globalisierung der Weltwirtschaft und den Siegeszug der Informationstechnologie substantiell unterstützt.“ (ebenda, S. 12). Valluga prognostiziert, dass auch in den kommenden drei Jahren die Vermögen der Millionäre dreimal so stark wachsen werden wie die Gesamtwirtschaft in der D.A.CH-Region.

Aufgrund der erreichten Höhe des gesamten Millionärsvermögens können die zusätzlichen Ansprüche der Geld-Millionäre nicht mehr aus dem BIP-Zuwachs befriedigt werden.

So betrug der Vermögenszuwachs der deutschen Geld-Millionäre im Jahr 2010 177 Milliarden Euro. Der nominale BIP-Zuwachs betrug jedoch nur 101 Milliarden Euro. Der zusätzliche Anspruch des Geldadels wird durch den Zuwachs an realen Werten in der Volkswirtschaft nicht mehr gedeckt. Er kann nur noch durch weitere Umverteilung und Enteignung des Volkes (Privatisierungen) befriedigt werden.

3. Schuldenkrise – Kehrseite des übermäßigen Aufbaus der Vermögen“

„Die Staaten haben hohe Schulden. Dafür haben die Privaten hohe Vermögen“, schreibt die FAZ (15.12.11). Jens Beckert , Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und Christoph Deutschmann, Professor für Soziologie an der Uni Tübingen, weisen darauf hin, dass Schulden immer eine Kehrseite haben: Vermögen.

„Schulden sind nichts weiter als der Anspruch eines Gläubigers auf künftige Zahlungen“. Und sie schlussfolgern: „Es gibt zu viel Vermögen. Die Schuldenkrise ist die Kehrseite eines übermäßigen Aufbaus an Vermögen, das durch keine Substanz gedeckt ist.“ (HB, 15.12.11). Den „Statistiken der Bundesbank zufolge nahmen die privaten Geldvermögen (brutto) in Deutschland im Zeitraum von 1991 bis 2006 um 124 Prozent zu. Das Bruttoinlandsprodukt aber stieg nur um 52 Prozent. Eine ähnlich krasse Diskrepanz zwischen Geldvermögen und der Wirtschaftsleistung zeigt sich in den meisten anderen OECD-Ländern“.

Die Gründe dafür sehen Beckert und Deutschmann im Neoliberalismus, der die Institutionen der Wirtschaft so umgebaut habe, dass die Finanzvermögen sich explosionsartig vermehren konnten. „Die Ausrichtung der Unternehmen auf den Shareholder-Value und die Liberalisierung der internationalen Kapitalmärkte haben zu stagnierenden Löhnen und in die Höhe schnellenden Gehältern der Spitzenmanager (und Profiten – F.S.) geführt.

schuldenfalle
„Die Herren des Geldes“ – Publikationsreihe isw-spezial: ISSN 1614-9270

Wer aber schon Millionen pro Jahr einnimmt, kann dieses Geld gar nicht ausgeben, sondern investiert es an den Finanzmärkten. Aufgebläht wurden die nach Anlagemöglichkeiten suchenden Vermögen auch durch den Umbau der Sozialsysteme auf kapitalmarktbasierte Renten. Außerdem hat die Fiskalpolitik die Vermögensteuer ausgesetzt, den Steuersatz der Einkommensteuer reduziert, die Kapitalerträge niedriger besteuert und Steuerhinterziehung als Kavaliersdelikt behandelt.“ (ebenda).

Die Folge dieser Politik, die in allen kapitalistischen Industrieländern gleichlaufend verfolgt wurde, ist: Alle Industrienationen gerieten in die Schuldenfalle. Während das addierte BIP aller Industriestaaten von 1991 bis 2011 um 65 % von 26.797 Milliarden Dollar (26,8 Billionen) auf 44.727 Milliarden (42,7 Billionen) Dollar gestiegen ist, haben sich die Staatsschulden in der gleichen Zeit fast verdreifacht:

+ 183 % von 16.195 Mrd. (16,2 Billionen) Dollar auf 45.727 Mrd. (45,7 Billionen) Dollar. 1991 machte die Staatsverschuldung 60 Prozent eines Jahres-BIPs der OECDLänder aus, zwanzig Jahre später waren es 104 Prozent (vgl. Spiegel, 2.1.12). Aus dieser Schuldenfalle
gibt es kaum mehr ein Entkommen. 2011 müssen die Industriestaaten bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 3 Prozent für Staatsanleihen knapp 1,5 Billionen Dollar an Zinsen zahlen, um die Schulden zu bedienen; das ist etwa so viel wie der Zuwachs ihres addierten BIP in Nicht-Krisen-Zeiten ausmacht …

Aus dem „normalen“ Anstieg der Steuereinnahmen kann dieser Zinstribut an den Geldadel nicht mehr aufgebracht werden. Es bleiben zur Finanzierung nur Steuererhöhungen oder radikale Einschnitte bei den Staatshaushalten.

4. „Geld regiert die Welt“: Die Verbankerung der Politik

Die Geldaristokratie wird ihre Privilegien mit Klauen und Zähnen verteidigen. Und sie hat die Macht dazu. Der einzelne Multimillionär ist allenfalls ein Symbol sozialer Ungerechtigkeit angesichts Millionen Armer. Doch seine Millionen im Inkasso von Banken, Versicherungen, Fonds und professionellen Vermögensverwaltern bedeuten Macht. Der Löwenanteil des privaten Geldvermögens ist von den so genannten Kapitalsammelstellen aufgesogen.

In Deutschland sind von den fast fünf Billionen Euro Geldvermögen 35 % bei Banken, 25,9 % bei Versicherungen, 12,1 % bei Investmentfonds, 11,6 % in Aktien, 9,7 % in Renten und Geldmarktpapieren und 5,7 % in Pensionsrücklagen angelegt.

Den Finanzkonzernen wachsen so riesige Geldmassen zu. Sie verwenden sie zur Kreditvergabe, als Kapitalanlagen (z.B. in Form von Aktien, Investmentzertifikaten und festverzinslichen Wertpapieren) und zur Spekulation auf den Finanzmärkten. In der Konzentration in den Finanzkonzernen wird Geld zur Macht. In Form von Leihkapital, als Institutionelle Anleger, mit dem Depotstimmrecht der Banken und dem Privileg der Aktienemission und des Börsenhandels, sichert sich das Finanzkapital beherrschenden Einfluss auf Unternehmen und Konzerne.

Als Emitteur und Haupt-Zeichner von Staatsanleihen erhält es ein entscheidendes Mitspracherecht bei der Finanz- und Haushaltspolitik der Staaten. Im Zuge der Schuldenkrise der kapitalistischen Staaten wurden demokratische Rechte und die Souveränität ganzer Staaten eingeschränkt und Weichen in Richtung einer Finanzdiktatur gestellt. Mit der Aufnahme der „Schuldenbremse“ in das Grundgesetz der BRD, erhält die Bedienung der Geldvermögen quasi Verfassungsrang. Sie wurde von Merkozy de facto auch den anderen Euro-Ländern aufoktroyiert. Die Souveränität und der Gestaltungsspielraum der Parlamente wurde minimiert.

Bundestag behält z.B. das Recht, über eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze um drei Euro wochenlang zu debattieren, die großen Finanzentscheidungen aber fallen in anderen Gremien. Rettungspakete über zigMilliarden Euro für die Banken wurden in Nacht- und Nebelaktionen von einem exklusiven Zirkel bestehend aus der Kanzlerin, dem Finanzminister, zwei Privatbankern und zwei Staatsbankern beschlossen. Das Parlament hat sich entmündigen, sich sein originäres und zentrales Recht, das Budgetrecht weitgehend nehmen lassen.

Der Souverän der Politik sind heute die Banken und Finanzkonzerne. Als „Urteil der Finanzmärkte“ heben und senken sie den Daumen über ganze Volkswirtschaften. Es hat eine totale Verbankerung der Politik stattgefunden. Gar nicht zu reden von den „Problemländern“ innerhalb der Euro-Zone. Über deren Wirtschafts- und Finanzpolitik bestimmen heute „System“-Banken und die „Troika“ aus EZB, IWF und EU-Kommission. In Italien (Mario Monti, Corrado Passera) und Griechenland (Lukas Papademas) haben Banker direkt die Regierungsgeschäfte übernommen, in anderen Ländern schicken sie sich an.

Deutschlands größter Aktionär – ein Amerikaner

Von besonderem Gewicht sind die Vermögensverwaltungen (Asset Management) aufgrund der ungeheuren Geldmassen, die sie verwalten und investieren können. Die weltweit zehn größten Vermögensverwalter können über eine Gesamtsumme von 12,1 Billionen Euro verfügen.

Joachim Faber, der Fondsmanager des zweitgrößten Vermögensverwalters weltweit, der Allianz Global Investors, ist Herr über 1,5 Billionen Euro. Die Allianz Global Investors ist stark bei Anleihen, aber schwach bei Aktien. Ihre 100%ige Tochter Kapitalanlagegesellschaft PIMCO (Pacific Investment Management Company) gilt als der weltweit größte Aufkäufer von Staatsanleihen.

Ihr Invest oder Desinvest bei Staatsanleihen kann entscheidend für die Refinanzierung von Staaten sein. Sie gehört zu den Instanzen, die das berüchtigte „Urteil der Märkte“ fällen. Der weltgrößte Vermögensverwalter, der Finanzdienstleister und ISS-Kunde Blackrock ist umgekehrt stark in Aktien engagiert.

Das ’Handelsblatt’ (1.6.11) zählt ihn zu den „heimlichen Herren des Dax“. Blackrock ist eigenen Angaben zufolge an allen 30 DaxKonzernen beteiligt, bei 21 davon mit mehr als dem meldepflichtigen Drei-Prozent-Anteil. Der „US-Fonds Blackrock ist Deutschlands größter Aktionär“ titelt die ’Welt’ (20.1.11). Und der Vermögensverwalter stockt seine Beteiligungen laufend weiter auf; z.B. bei der Deutschen Bank von 4,72 % (2009) auf inzwischen 9 % (FAZ, 27.8.11), womit Blackrock größter Einzelaktionär bei der Großbank ist; Credit Suisse hält 3,9 %, der Rest ist Streubesitz.

Geldverwalter
„Die Herren des Geldes“ – Publikationsreihe isw-spezial: ISSN 1614-9270

Bei Siemens stockte Blackrock von 3,9 % (1.7.11) auf 5,01 % (FAZ, 27.8.11) auf, womit Blackrock nach der Siemens-Familie (6 %) jetzt zweitgrößter Einzelaktionär ist; bei Daimler von 3,9 % (Dezember 2009) auf jetzt 5,72 %: nach den Scheichtümern Abu Dhabi (9,1 %) und Kuwait (6,9 %) ist er dort drittgrößter Aktionär. Bei der Allianz, dem größten Konkurrenten im Finanzgeschäft der Vermögensverwaltung, ist Blackrock mit 6,2 % beteiligt, vor Axa mit 3,0 % – der Rest ist Streubesitz.

Der größte Rückversicherer der Welt, Munich Re-(Münchner Rück), ist praktisch in der Hand von drei US-Fonds/Vermögensverwaltern: Warren Buffets Berkshire Hathaway: 11 %, Blackrock 6,2 % und dem USVermögensverwalter Alliance Bernstein 3,1 % zusammen 20,3 %; der Rest ist Streubesitz.

Bei BASF wiederum ist Blackrock mit 6,7 % größter Einzelaktionär, ebenfalls bei e.on 6,5 %, bei Bayer 5,3 % (zweitgrößter nach der US-amerikanischen Capital Research: 10,0 %), RWE 5,5 % (zweitgrößter), Linde 4,3 % (größter), SAP 4,7 % (viertgrößter), Lufthansa 5,1 % (größter); die Liste lässt sich fortsetzen.

Insgesamt verwaltete Blackrock Mitte 2011 ein Vermögen von 2,65 Billionen Euro, inzwischen dürfte die Drei-Billionen-Grenze überschritten sein.

2,65 Billionen Euro, das ist mehr als das gesamte deutsche BIP 2011 (2,57 Bio. Euro) oder in Dollar umgerechnet: ca. 3,6 Billionen US-Dollar – mehr als die gesamten chinesischen Devisenreserven: (3,18 Billionen Dollar Ende 2011). Mit seinem verwalteten Vermögen könnte Blackrock rein theoretisch alle 30 Dax-Konzerne viermal aufkaufen, und zwar hundertprozentig. Die Börsenkapitalisierung der 30 Blue Chips an den deutschen Börsen betrug Mitte Januar 650 Milliarden Euro. Niemand sonst in der Welt beherrscht soviel Geldkapital. 

BlackRock Headquarter NY

BlackRock – Headquarter NY, on 52nd street in Manhattan, New York City.
Blackrock is the world’s largest money managing company. According to Fortune magazine ‚With more than $3 trillion in assets, Larry Fink and his team at BlackRock are the world’s largest money managers‘.

Von strategischer Bedeutung für die Macht und Anlagepolitik von Blackrock sind dessen Aktienanteile an den beiden größten Rating-Agenturen Standard & Poors und Moodys. Bei ersterer ist Blackrock zweitgrößter Aktionär (5,4 %), bei der zweiten drittgrößter mit 6,9 %. Diese enge Verflechtung lässt berechtigte Zweifel an dem unabhängigen Rating der selbsternannten Bonitätswächter aufkommen. Auch ein gewisses Insiderwissen dürfte sich daraus ergeben.

Dax-Aktien: Mehr als die Hälfte in Auslandsbesitz

Die Aktien der großen Börsenkonzerne befinden sich immer stärker in ausländischer Hand. Der Anteil ausländischer Aktionäre an den Dax-Konzernen stieg 2010 auf 55,8 %, wie das ’Handelsblatt’ (20.1.11; und Wiwo 23.1.12) berechnete. Fast allesamt Institutionelle Anleger. Die Tendenz ist dabei entscheidend, nicht das eine Prozent hin oder her.

Vor 15 Jahren war der Auslandsanteil noch nicht halb so groß. Wie deutsch ist die Deutsche Bank? Sie selbst schreibt in ihren Investor Relations über das Geschäftsjahr 2009: „Vor allem in den USA stockten institutionelle Anleger (einschließlich Banken) ihre Bestände auf; der US-Anteil erreichte erstmals 16 %.“ Insgesamt ist der Auslandsanteil auf 54 % (2008: 45 %) gestiegen, dem ein entsprechend auf 46 % (2008: 54 %) verringerter Inlandsanteil gegenübersteht.

Erhöhung bzw. Verringerung um 9 Prozentpunkte binnen eines Jahres, das lässt die Dynamik erahnen (2010: 53 % Ausland; 47 % Inland). Insgesamt befanden sich von den 641.000 Aktien 75 % im Portefeuille von Institutionellen Anlegern. Unter den neun größten Einzelaktionären, die zusammen etwa 25 % des Aktienkapitals halten, sind sechs aus dem Ausland; darunter Blackrock, Credit Suisse, Capital Group und Societé Générale mit zusammen 17 % (FAZ 27.7.11).

Nach Börsengerüchten ist Großspekulant und Investor Warren Buffet an einem Anteil von zehn Prozent an der Großbank interessiert (SZ, 15.9.11)

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5. Das Netzwerk der Konzernmacht:

147 Konzerne regieren die Welt. Auch auf globaler Ebene bestätigt sich die Beherrschung der Ökonomie durch wenige Finanzkonzerne. In einer Studie „The network of global corporate control“ haben Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich erstmals eine Analyse der ökonomischen Machtverhältnisse (Netzwerk der Macht) auf globalem Niveau vorgenommen.

„Wir präsentieren die erste Untersuchung der Architektur des internationalen Eigentümer-Netzwerks, zusammen mit der Berechnung der Kontrolle, die von jedem Global Player ausgeübt wird (Vitali/Glattfelder/Battiston, S. 1).

Sie haben nachgewiesen, welche Konzerne die Weltwirtschaft dominieren und wie weit ihr Einfluss reicht. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Nach dieser Studie kontrollieren lediglich 147 Konzerne den größten Teil der Weltwirtschaft.

harte kern
„Die Herren des Geldes“ – Publikationsreihe isw-spezial: ISSN 1614-9270

Das Züricher Team von Systemtheoretikern bediente sich bei seinen Recherchen der globalen Orbis-Datenbank, die zum Systemjahr 2007 über Daten und Informationen von 37 Millionen Unternehmen und Investoren weltweit verfügte. Anhand dieser Daten identifizierten die Forscher 43.060 Transnationale Unternehmen (TNCs) und den Eigentümer-Anteil, der sie verbindet. Die 43.060 Unternehmen sind in 116 Ländern verortet, 5.675 davon sind an Börsen notiert. (Vitali/ Glattfelder/Battiston, S. 13). Sie fanden heraus, dass die 43.060 multinationale Unternehmen insgesamt 400.000 identifizierbare Beteiligungen haben.

Von diesen 43.060 TNCs sind wiederum 1.318 mehrfach vernetzt und haben im Durchschnitt 20 Verbindungen untereinander. Sie repräsentieren einen Anteil von 20 % am gesamten Umsatz der internationalen Konzerne; über Beteiligungen kontrollieren sie noch einmal 60 %, beherrschen also vier Fünftel der Umsätze internationaler Konzerne. Drei Prozent der transnationalen Konzerne kontrollieren also 80 Prozent der Umsätze aller transnationaler Unternehmen. Die Wissenschaftler stießen noch weiter vor.

Innerhalb des vernetzten Kerns haben sie eine 147 Konzerne umfassende geschlossene Gesellschaft („Superentity“ – Super-Einheit) identifiziert.

Diese SuperEinheit ist ein in sich geschlossenes System, dessen Mitglieder sich gegenseitig kontrollieren und über ein kompliziertes Geflecht von Beteiligungen größtenteils in wechselseitigem Besitz befinden. James B. Glattfelder, einer der Autoren der Studie: „Tatsächlich sind weniger als 1 % der Firmen in der Lage, 40 Prozent des gesamten Netzwerks zu kontrollieren“.

(in effect, less than 1 % of the companies were able to control 40 % of the entire network). (New Scientist, Oktober 2011).

Der Clou: Die meisten der 147 Konzerne, die die Welt unter sich aufgeteilt haben – und hier schließt sich der Kreis zur oben ausgeführten Geldmacht – sind Finanzkonzerne. Sie führen vor allem die Liste an. Der Kreis der 50 mächtigsten Unternehmen unter diesen 147 ist ein exklusiver Club von Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen. Sie stammen fast ausschließlich aus den USA, Europa und Japan. Erst auf Platz 50 im Ranking der Super-Konzerne schaffte es ein Industriekonzern: die China Petrochemical Group Company (Sinopec). Unter den Top 50 rangieren zwei „deutsche“ Finanzkonzerne: die Deutsche Bank (Platz 12) und der Versicherungsriese Allianz (Platz 28). 

Übrigens, hier mal die erste Seite dieser Studie von der ETH-Zürich und ihren drei Autoren; Stefania Vitali, James B. Glattfelder, and Stefano Battiston, die mittels Orbis geschafft haben, den nahezu ganzen verfilzten Korrupten Haufen von 147 Konzernen bzw. dessen Konglomeraten im Detail Sichtbar zu machen:

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The network of global corporate control  –  Chair of Systems Design, ETH Zurich, Kreuzplatz 5, 8032 Zurich, Switzerland

Tja … an der ETH-Zürich wurde ein jungfräuliches Territorium erforscht, wo man Spitzenrechner und eine äußerst gewaltige Datenbank benutzt hatte, um ein erstaunliches aber auch Eklehaftes „Gespenst in der Maschine“ zu entdecken, schauen wir es uns mal an:

diginet
Eine vom Großrechner erstellte Grafische Visualisierung namens:
„Network topology“. Zu sehen Links:  
SCC layout of the SCC (1318 nodes and 12191 links). Node size scales logarithmically with operation revenue, node color with network control (from yellow to red).
Rechts:
Zoom on some major TNCs in the financial sector. Some cycles are highlighted.

Die Vernetzung der Finanzriesen untereinander dürfte sogar eher noch gewachsen sein. Denn schließlich hat der Konkurs der nur auf Rang 34 platzierten Lehman Brothers Holding der Finanzindustrie eindrücklich klargemacht, wie stark die faktische Staatsgarantie mit der Systemrelevanz korreliert. So hat Barclays beispielsweise 2009 seine Vermögensverwaltung an Blackrock abgetreten, die nun über 3 Billionen Dollar kontrolliert. Da der Deal zur Hälfte in Aktien getätigt wurde, sind die beiden Unternehmen jetzt gegenseitig im zweistelligen Prozentbereich aneinander beteiligt“. Blackrock rückte damit zum weltgrößten Vermögensverwalter auf. 2007 war er noch nicht einmal unter den Top 50 der Liste.

„Geld produziert Geld. Geld ist ein Herrschafts und Machtmittel. Der Wille zur Herrschaft ist unausrottbar. Er kennt keine objektiven Grenzen.“ – Jean Ziegler

James B. Glattfelder hält diese extreme Konzentration von Macht in den Händen weniger für sehr problematisch. „Neuere Studien deuten darauf hin, dass ein hoher Grad von Vernetzung die Verbreitung von Stress im Netzwerk begünstigt“, sagte er der ’Frankfurter Rundschau’ (25.10.11). Und gegenüber dem Schweizer ’Sonntag’: „Wir hatten nicht erwartet, dass die Macht im Zentrum derart konzentriert sein würde“. Die Politik müsse Strukturen schaffen, um dieser Machtkonzentration zumindest gleichwertig entgegentreten zu können. 

Trotz Eigeninteressen und gegenseitiger Konkurrenz seien die 147 Konzerne besser als die 193 Staaten in der Lage, ihre Kräfte zu bündeln und gemeinsame Interessen zu schützen, das zeige nicht zuletzt das erfolgreiche Lobbying gegen effektive Regulierung der Finanzmärkte. Glattfelder: „Wenn sich eine solche Struktur einmal gebildet hat, lässt sie sich kaum mehr aufbrechen“.

Durch die extreme gegenseitige Vernetzung zu einem Machtklumpen kann jeder der 147 Player in Mitleidenschaft geraten, wenn ein anderer bankrott geht. ETH-Physiker und Mitautor der Studie Stefano Battiston erläutert in einem Interview mit dem ’Tagesanzeiger’ (29.10.2011): „Das gefährdet die Stabilität des Systems. Wie die Finanzkrise 2008 gezeigt hat, genügt es, wenn ein Unternehmen wie damals Lehman Brothers unter Druck kommt, um das ganze System zu destabilisieren. Als der Versicherungsriese AIG im Herbst 2008 in Turbulenzen geriet, musste die US-Regierung 182 Milliarden Dollar mobilisieren, um den Finanzgiganten zu retten und zu verstaatlichen.

Davon wurden Gläubiger wie Goldman Sachs und die Deutsche Bank ausbezahlt, mit insgesamt mehr als 60 Milliarden Dollar. Andernfalls wäre es womöglich zu einer Kettenreaktion und zur Kernschmelze im internationalen Finanzsystem gekommen. 182 Milliarden Dollar für eine einzige Firma, das ist so viel wie die Entwicklungshilfe aller reichen Länder an alle armen Länder zusammengenommen.

Genau so wichtig wie ’too big to fail’ ist folglich ’too connected to fail’.“ Mit dieser Machtballung ist ein unkontrollierbares Klumpenrisiko entstanden, welches bei einem Ausfall auch nur eines Konzerns das gesamte System in den Abgrund zu ziehen droht. Die vielzitierte Systemrelevanz erhält eine neue Dimension …

6. Refeudalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft

Angesichts der immer krasseren Spaltung der Gesellschaft in eine winzige Minderheit der Geldaristokratie, die über die Finanz-Imperien ihre Herrschaft ausübt, und in eine Masse von Habenichtsen, sprechen kritische Soziologen von einer „Refeudalisierung der
Gesellschaft“. In seinem Buch „Das Imperium der Schande“ überschreibt der Schweizer Soziologe Jean Ziegler, bis 2008 UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, das letzte Kapitel: „Die Refeudalisierung der Welt“:

„Wir erleben eine Refeudalisierung der Welt.


Hier geht es weiter; „Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V“ mit der Publikation: „DIE HERREN DES GELDES„- REICHTUM UND MACHT DES 1%, von  Fred Schmid !


© Alpha Rocking

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