Nicht mehr mein Deutschland

Warum man das hier überhaupt noch alles mitmacht? Hat sich dies schon mal einer gefragt? Was mitmachen? Fragt Ihr vielleicht zurück? Wer sich beim was noch fragen muss, & nicht sieht, was hierzulande mittlerweile mitgemacht werden muss, dürfte kaum verstanden haben, was gemeint war.

Ich sollte wohl hinzufügen, dass ich es mich in immer kürzeren Delay´s einfach frage, bei all dem unsäglichen Irrsinn, den es in aller Regel zuerst zu lesen gibt und wenig später mit angesehen werden kann – Tag für Tag – ansehen, all das, was den Allgemeinzustand bei uns im Land angeht. Zustand, die wohl geeignetste Bezeichnung – ein mittlerweile sogar vom Allgemeinen verkleideter, unsäglicher, akzeptierter Zustand, der scheinbar nicht mehr wahrgenommen wird und oft auch nicht wahrgenommen werden will, insbesondere dort, wo es Normalzustand sein sollte, wahrzunehmen, zu verstehen & zu handeln.


Ich sage es mal durch die Blume – vielleicht etwas zu philosophisch, aber zu 100 % ehrlich:

 »Ich muß es immer wieder sagen: Ich habe keine Lehre. Ich zeige nur etwas. Ich zeige Wirklichkeit, ich zeige etwas an der Wirklichkeit, was nicht oder zu wenig gesehen worden ist. Ich nehme ihn, der mir zuhört, an der Hand und führe ihn zum Fenster. Ich stoße das Fenster auf und zeige hinaus. Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch.«

}} Michael Buber {{


Und auch ich zeige einen Teil der Wirklichkeit – in wohl gewählten Auszügen, weil ich die Ansicht vertrete, dass die von mir gewählten Perspektiven zu wenig Beachtung finden. Irgendwie unter gehen, kaum noch jemanden – vor allem diejenigen die es interessieren sollte, interessieren. Während es alle etwas angeht. Eine dieser Perspektiven, findet Ihr heute hier:


Nicht mehr mein Deutschland

MELANCHOLISCHE GEDANKEN AN EIN LAND,

DAS ICH LIEBE,
ABER NICHT MEHR ERKENNE.
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germany by arminius1871 / deviantart.com

 

Als ich ein Kind war, war manches in Deutschland außen hässlich, aber innen eigentlich recht schön. Die Häuser, die man nach dem Krieg gebaut hatte, waren hässlich. Die Frisuren waren hässlich. Die Möbel. Die Klamotten.

Was dagegen immer schön war, und wovon es so viel gab, das waren die alten Häuser in den Städten, die verwinkelten Straßenzüge, die Brücken und Flüsse, die Festungen und Schlösser. Die reichhaltige Natur, überall, die gepflegten Parks und die großen Wälder, die Felder und die Weinberge, das Meer und die Berge.

Und es ging den Leuten gut. Die meisten hatten Arbeit. Und fast keiner musste sich Sorgen um seine Zukunft machen, oder um seine Sicherheit, oder die seiner Kinder. Es gab zwar den kalten Krieg, aber der war sehr abstrakt und berührte uns nicht unmittelbar. Vor allem waren sich die Menschen ähnlicher. Die meisten sprachen die gleiche Sprache. Sie waren in der gleichen Kultur zu Hause. Und sie schätzten die gleichen, grundsätzlichen Dinge. Diejenigen, die hier zum Arbeiten hergekommen waren, die eine andere Sprache sprachen, begriff man als Gäste, und wenn sie wollten, konnten sie meistens bleiben. Man behandelte sie mit Respekt, und erwartete, dass sie das Gleiche taten.


Die Zeiten ändern sich

Heute ist Deutschland anders geworden, und es wird noch sehr viel mehr anders werden, für immer. Die Häuser, die man heute baut, sind zwar wieder etwas schöner als damals nach dem Krieg. Nicht so schön wie vor hundert oder zweihundert Jahren, aber immerhin. Auch die Möbel sind schöner, und die Klamotten und die Frisuren.

Aber die Straßen sind kaputter. Die Schulen sind maroder. Und auf den Bürgersteigen in den Städten schlafen nachts die Obdachlosen. Viele Menschen haben schlechtere Jobs als früher, sie verdienen weniger und arbeiten mehr, und sie können sich weniger Dinge leisten, die einen dauerhaften Wert haben, wie Häuser oder Wohnungen. Überall fahren große, schwere Lastwagen mit ausländischen Kennzeichen, um Waren in und aus dem Land zu bringen, die woanders billiger verarbeitet werden, und es gibt ständig Staus. Die Parks von damals werden nur noch notdürftig gepflegt. Und draußen, in manchen Wäldern, heulen wieder Wölfe, wie zuletzt vor hunderten von Jahren.

Und vor allen Dingen sind die Menschen anders geworden, gehetzter, und mehr unter Druck. Viele haben Angst um ihre Zukunft, und um ihre Sicherheit, und die ihrer Kinder, wenn sie noch welche haben. Die Menschen haben Sorge darum, dass sie bald weniger besitzen werden, und vielleicht deswegen müssen manche umso mehr zeigen, dass sie doch noch etwas besitzen. Die Autos sind dicker geworden, und die Leute in ihnen aggressiver und rücksichtsloser. Die Menschen, die das meiste Geld verdienen, sind heute jene, die ungehindert anderen das Geld aus der Tasche ziehen, ein wenig davon behalten, und den Rest nach oben weiterreichen.


Politiker und Lobbyismus

In der Politik hat sich eine selbst überschätzende Gruppe von Menschen an die Macht bewegt, die zunehmend weiter entfernt ist von den Bedürfnissen und Meinungen jener, die sie gewählt haben, und die sie in einer Demokratie selbstverständlich vertreten sollten.

Stattdessen sind diese Menschen von einfachen und überbewerteten Ideologien geprägt und zugleich wissend oder unwissend mehr denn je an den Wünschen jener orientiert, die mit einer Mischung aus Einlullung und Manipulation ihre eigenen Vorteile zum Nachteil aller anderen durchsetzen. In dieser Zeit von Lobbyismus und einseitiger medialer Verzerrung, mit wenig Ausgleich, Ethik oder humanistischen Werten, herrschen wieder die Reichsten der Reichen.

So hat man durch die Verlagerung politischer Kompetenzen auf europäische Behörden die deutsche parlamentarische Demokratie zunehmend geschwächt. Hat durch die Einführung des Euro die Möglichkeit der Abwertung eigener staatlicher Schulden genommen. Hat durch die Übernahme von Schulden anderer europäischer Länder und privater Banken jeden einzelnen Bürger in diesem Staat verantwortlich für die Fehler und die Gier Anderer gemacht. Und hat zugleich durch die Einführung der Schuldenbremse im Grundgesetz den Weg für weitere Privatisierungen geebnet.


Gesellschaft im Wandel

Und nicht zuletzt, und wiederum als Folge politischer Entscheidungen, sprechen heute sehr viele Menschen auf den Straßen und in den Städten überhaupt nicht mehr meine Sprache. Leben nicht mehr meine Kultur. Kennen nicht mehr mein Land. Und etliche wollen all das scheinbar auch gar nicht mehr.

Sehr viele von ihnen sind hierher gekommen, weil sie weniger Sorgen haben wollen, und die Reichen haben sie immer weiter hereingewunken, weil sie billige Arbeitskräfte und unkritische Konsumenten verlangten, und die Ideologen, weil sie gerne träumen. Aber wo all diese vielen neuen Menschen leben sollen, und wo sie arbeiten sollen, und wer alles bezahlt, bis und falls sie selber einmal Geld verdienen, das hat noch keiner gesagt.

Manche dieser zugewanderten Menschen respektieren mein Land, seine Leute und seine Werte anscheinend immer weniger, und sie verändern dadurch den Ton und die Atmosphäre in dieser Gesellschaft nachhaltig. Sie treten fordernd auf, und nehmen es als selbstverständlich an, dass man ihnen all das gibt, was sich die anderen Menschen in diesem Land über Generationen hart erarbeitet haben. In ihren Ansprüchen und Vorstellungen werden sie dabei von jenen unterstützt, die eigentlich aus diesem Land kommen, es aber selber scheinbar nicht besonders mögen.

Und vor allem wird gar nicht mehr gefragt, ob all dieser Wandel von der Mehrzahl jener, die schon lange hier sind, überhaupt gewollt wird. Stattdessen hat man uns außen ein gleichgeschaltetes Gesinnungsideal und innen einen ungezügelten Neoliberalismus aufgezwungen. Es ist das Schlechteste aus beiden Welten, und es zerstört all das, wofür unsere Kultur einst gestanden hat.


Freiheit der Meinung

Ich dagegen muss mir heute Sorgen machen, dass ich etwas wie dieses überhaupt noch sagen oder schreiben kann. Schnell und gerne werden dann Worte wie Populismus oder Hetze gebraucht, und immer geht es angeblich um Gleichheit und um scheinbare Toleranz.

Aber es geht seltsamer Weise nie um die Toleranz gegenüber jenen, die sich an die gemeinsamen Grenzen und Regeln dieser Gesellschaft halten und dies auch konsequent von anderen einfordern. Meinungsfreiheit ist zu einem Fremdwort geworden. Stattdessen ist denjenigen, die die neuen moralischen Regeln machen und durchsetzen wollen, zunehmend jedes Mittel recht.

Man hat sehr wenig gelernt aus der Vergangenheit. Unter den Faschisten und in der DDR, da hat ein Nachbar den anderen angeschwärzt, manche Menschen ihre eigenen Partner, und manchmal sogar Kinder ihre Eltern, weil die Kinder es nicht besser wussten, und man ihnen in der Schule gesagt hatte, dass es richtig so sei. Und immer hat man nachher den Kopf geschüttelt und sich angeblich gefragt, wie all das nur kommen konnte.


Verordnete Intoleranz

Und nun werden in diesem Land wieder Generationen von Menschen herangezogen, in den Schulen, den Universitäten, und von einer Politik, die ich nicht verstehe, und durch die Medien, die dem Staat gehören, oder wiederum sehr reichen Leuten. Und die Menschen heute lernen, dass Intoleranz gegenüber jenen, die anders denken, die Kritik üben, und ihnen deshalb als intolerant dargestellt werden, völlig in Ordnung ist.

Auch Denunziantentum. Diffamierung. Ausgrenzung. Oder Hass und Gewalt. Eigentlich ist vieles fast genau so, wie es all die Male vorher schon war. Nur, dass heute so viele Menschen ungebildeter, unmündiger und manipulierter wirken als seit langem.

Das macht mir Angst. Denn wieder lernen die meisten Menschen nur auswendig, was angeblich richtig und was falsch ist, statt dass sie lernen, selbständig zu denken. Sind es unsere Gene? Ist es unsere Kultur? Sind wir im Durchschnitt einfach zu dumm? Es mag von Vorteil sein, sich anzupassen und im Strom zu schwimmen. Aber es ist verdammt traurig. Und es macht für jene Menschen, die sich nicht von Brot und Spielen täuschen lassen, die noch über ein wenig Bildung verfügen und die Fähigkeit zum selbständigen Denken, die die Zwischentöne hören, und die vielleicht ein besseres Gespür für die Seele der Dinge haben, das Leben sehr schwer.

Was ich weiß, ist, dass die einzigen Menschen, die von all diesem Irrsinn wirklich profitieren, sehr wenige, sehr reiche Menschen sind, irgendwo, in einer ganz anderen Welt als meiner und der der meisten Anderen.

Ich liebe dieses Land. Aber es ist nicht mehr mein Deutschland.


Und das … ist die traurige Wahrheit.

Aber nicht unser aller in Stein gemeißeltes Schicksal. Kein Naturgesetz oder irgendetwas, dass sich nicht zum positiven Verändern ließe. Das sollten wir, bei aller Zeit-geistlicher, momentaner schwere, nicht vergessen.

5yVYJYf - Imgur


Alle 4 Jahre gibt es diese Veranstaltung(en), genannt: „Wahlen“. Ob nun in oder außerhalb Deutschlands. Und schon viele Wochen vor dem eigentlichen Wahltage werden wieder viele komische, originelle wie auch strunz-dumme Plakate von immer denselben Vereinen überall im Land an immer denselben Laternen und orten aufgehängt oder aufgestellt zu sehen sein.

Und die Frage, die sich einzig und alleine stellt, ist:

Wie kann es überhaupt sein, dass auch nur eines dieser Plakate überhaupt noch hängt? Beantwortet euch diese Frage und kommt zu einer Antwort, die diesem Spuk endlich ein Ende setzt … !


@ nicht-mehr-mein-deutschland.de

@ Was ist Postdemokratie?

@ nachdemokratie.de


© Alpha Rocking

 

2 Kommentare zu „Nicht mehr mein Deutschland

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