Die „Nie wieder Kopftuch“ Geschichte

Ich bin geborene, großgewordene und gläubige Muslimin. Ich habe sechs Kinder, davon fünf Söhne. Ich habe eine fünfundzwanzigjährige, arrangierte Ehe, aus vorwiegend politischen Interessen, hinter mir und weiß nun mit Sicherheit, daß ein funktionierendes Miteinander von Lebenspartnern und Eltern erheblich zur Gewaltprävention beiträgt.

Ich habe in den letzten neun Jahren meines Lebens als Vorsitzende eines islamischen Vereins die Schwierigkeiten, aber auch die vielen Möglichkeiten für eine optimale Kommunikation zwischen Muslimen und Nichtmuslimen studieren können.

Was ich an zunehmender, populär gewordener Gewalt im Namen des Islams und von Menschen, die sich als Muslime bezeichnen, beobachte, macht mir Sorgen, aber auch Wut.

Die Reaktionen und der Umgang seitens der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft sind zu meinem Erstaunen geprägt von Verdrängung bis zu aufrichtigem Bemühen, aber auch von verzweifelter Ratlosigkeit. Auf die Idee, mutig in die Offensive zu gehen und kritische Gespräche und professionelle Diskussionen mit den Muslimen im In- und Ausland zu führen, will leider noch niemand kommen, vor allem politisch Verantwortliche nicht.

Ich habe mich seit einiger Zeit, besonders im Rahmen der mißglückten Kopftuchdebatte, auf eigene Faust, jenseits theologischer Ausbildungsstätten, mit den Quellen des Islams befaßt und habe mich so in die Position eines potentiellen Ehrenmordopfers und einer Abtrünnigen (Apostatin) katapultiert.

Mein Perspektivenwandel hat zu tiefgreifenden, veränderten Wahrnehmungen geführt. Ich habe die Kostbarkeit meines Lebens entdeckt und hole nun allmählich nach, was mir dieser Islam, diese gemachte Gesetzesreligion, die mit Sanktionsdruck den Gehorsam einfordert, bisher unter Androhung von Strafe verboten hatte.

Für mich ist es dieses Land, in dem ich lebe, das mir Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung überhaupt ermöglicht. Unsere organisierten Religionen mit ihrem doktrinären Verständnis sind weit davon entfernt, Menschen in ihrer Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung zu bestärken und Flexibilität und Anpassung zu gewährleisten.

Insofern ist es keineswegs nur, wie Sie feststellen, das mangelnde Wissen, sondern auch das mangelnde Selbstbewußtsein und die fehlende Selbstliebe, die Menschen in Abhängigkeiten schwach und bedürftig hält und sie zu gewaltbereiten Werkzeugen und Objekten macht..(..)

  • Emely Abidin (Gebürtiger Name: Emel Algan)

Diese Zeilen wurden zu einer Zeit veröffentlicht, als in Bonn Hunderttausende hauptsächlich Jugendliche Menschen zusammengefunden haben um den damaligen Papst Benedikt XVI. zu empfangen. Ihr wisst schon „Wir sind Papst“ …                             Das war im August 2005.

An Merkels aussage: „Der Islam gehört zu Deutschland“ womit sie den Islam völlig undifferenziert als einen Teil der deutschen Gesellschaft bezeichnete war zu der Zeit noch nicht zu denken. Vielleicht gibt es etwas das Merkel über die Geschichte zurück ins Gedächtnis gerufen werden sollte, indem wir uns an die Jahrhunderte großer Bedrängnis erinnern:

  • 732 n.Chr. Tours/Südfrankreich //
  • 916 n.Chr. Garigliano/Italien //
  • 1212 n.Chr. Navas de Tolossa/Spanien //
  • 1529/1532/1683 n.Chr. Wien //

Veröffentlicht wurden diese Zeilen damals bei der FAZ unter Leserbriefe: „Sorge und Wut wegen der Gewalt“ – allerdings hat selbst das FAZ-Archive nicht alle Leserbriefe auf alle Ewigkeit Archiviert, weswegen der Link zu dem Text dieses mal fehlt, dies bitte ich zu entschuldigen – lässt sich aber nicht ändern.

Mit 16 wird Emel versprochen und mit 19 verheiratet. Und seit sie mit zwölf ihre erste Periode bekam, trug sie 30 Jahre das islamische Kopftuch – im Februar 2005 hat sie es, mit 42 Jahren, abgelegt. Als Zeichen ihrer neuen Identität legte sie sich zugleich einen neuen Namen zu: Emely Abidin. Abidin ist ihr Geburtsname; Emely ist der Kosename, den der Vater seiner Erstgeborenen gab.

Dass Emely Abidin kein Kopftuch mehr trägt, ist alles andere als Privatsache: Es ist ein Politikum. Denn diese Frau stammt aus dem Kern der politischen Islam-Szene in Deutschland. Ihr 1986 verstorbener Vater, der irakische Arzt Yusuf Zeynel Abidin, gründete 1976 in Köln die deutsche Sektion der türkischen ‚Milli Görüs‘ und wird bis heute hochverehrt in der Szene. (Dazu später mehr)

Emely ist außerdem Mitgründerinnen des ‚Islam-Kollegs Berlin e.V.‘: Träger einer islamischen Grundschule, an der auch Fereshta Ludin unterrichtet.

Und das ist Interessant, weil ausgerechnet Fereshta Ludin, eine gebürtige Afghanin mit dem deutschen Pass, die sieben Jahre lang durch alle Instanzen für das Recht von Lehrerinnen auf das Kopftuch kämpfte, dazu bei trug, dass Emely heute keins mehr trägt.

Damals nahm Emely Kontakt zu einer Berliner Hutmacherin auf, mit der sie als Kompromiss fünf „Kopfschmuckmodelle“ – eine schräge Mischung aus Kopftuch und Hut kreierte. Was aber ein Flop wurde. Zwar kamen die Modelle in den Medien gut an, aber nicht bei strenggläubigen Musliminnen. Auch Emely trug die Kopftuch-Hüte nicht lange. Sie begann, „die Quellen zu erforschen“ und da war endgültig Schluss mit der Bedeckung. Denn Emely wurde klar, dass die aus dem Koran abgeleiteten Regeln, die bei Strenggläubigen auch 1400 Jahre später noch gelten, reine „Interpretationen“ von heute sind.

Ganz wie christliche TheologInnen, die seit Anfang der 70er, also seit Beginn der Frauenbewegung, die Bibel kritisch lesen und neben „Gott“ die „Göttin“ stellen, ganz so begannen auch Musliminnen in den 90er Jahren, den Koran mit weiblichem Blick zu betrachten – und die angeblich vom Propheten diktierte Unterwerfung der Frauen in Zweifel zu ziehen.

„Heute kann ich nicht mehr verstehen, warum ich 30 Jahre lang fraglos das Kopftuch getragen habe!“

Emel hat Anglistik studiert, ihr neuer Name „Emely“ klingt nach Emily Dickinson. Diese amerikanische Dichterin aus dem 19. Jahrhundert, die nie den Garten ihrer Kindheit verließ, hat sich die Welt jenseits des Zauns nur vorstellen können. Als die Emely aus dem 20. Jahrhundert noch Emel hieß, bewegte sie sich zwar in der Welt draußen, aber ihr Kopftuch trennte sie von dieser Welt, in der sie als „Fremde“ weithin sichtbar war. Doch auch Emely wollte nicht länger die „Andere“ sein, sie wollte dazu gehören und zog das Kopftuch ab.

Emely tauchte nun nicht nur bei ihrer Familie kopftuchlos auf. Nein, sie besuchte wenige Tage nach der Ermordung von Theo van Gogh – Urenkel von Vincent Willem van Gogh (durch einen radikalen Islamisten) auch in Berlin eine mit ihrer islamischen Community anberaumte öffentliche Diskussion in der katholischen Akademie. Nun war der Skandal komplett. Die noch netteste Reaktion in ihrem Bekanntenkreis lautete:

Sie ist verrückt geworden, bzw. sie ist „vom Teufel besessen“! Um zu beweisen, dass letzteres nicht der Fall ist, ging Emely „freiwillig“ zu dem besten islamischen „Teufelsaustreiber“ von Berlin (im Hauptberuf Händler). Und siehe da: Kein Teufel sprach aus ihr bei der rituellen Beschwörung. Stattdessen sprach Emely:

„Ich möchte einfach anders leben! Allein, eigenverantwortlich – mit einem selbstgewählten Partner.“ Fremde Töne. Der Hoca sprach, „sie solle froh sein, einen Mann zu haben, der sie nicht schlage“. 

Doch Emely hat mit der Welt hinter dem „Zaun“ nicht wirklich gebrochen – auf ihre neu entdeckte Art. Sie ist immer noch eine Gläubige. Allerdings glaubt sie nicht mehr an einen „strafenden Gott“, sondern an einen „liebenden Schöpfer“. Was ihr so übel genommen wurde, wie schon erwähnt, der Gefahr aussetzte zum potentiellen Ehrenmordopfer zu werden. Trotzdem wurde Sie zu einem Workshop in London über die „europäische Staatsbürgerschaft von Muslimen“ eingeladen. Bei dem Sie neben Tariq Ramadan, dem Enkel des Begründers der Muslimbrüder und führenden islamistischen Theoretiker in Europa, auf dem Podium gesessen hatte  ohne jedoch mit ihm direkt ins Gespräch zu kommen:

Dabei haben sie was ganz gemeinsam: denn es muss erwähnt werden das Emely nicht irgendeine Muslima ist – nein, Sie ist die Tochter von Yusuf Zeynel Abidin, in jungen Jahren ein Anhänger von Ramadans Großvater Hassan Al-Banna, der 1928 in Ägypten die Muslimbruderschaft gründete. Die Urzelle der militant-islamistischen Bewegung, die unter anderem auch ‚Al Quaida‘ hervorgebracht hatte.

Ich denke es kann als ausgesprochen mutig betrachtet werden bei einer „Veranstaltung“ und solchen Gästen alleine die Überzeugung zu vertreten, das Kopftuch abzulegen und den Koran so zu Interpretieren wie man es für richtig hält. Und das auch durch zuziehen. Vor allem in dem Wissen, dass es im Engeren Bekanntenkreis eine Verschränkung zum Kern der militant-islamistischen Bewegung Muslimbruderschaft gegeben hat, oder möglicherweise (damals) sogar noch gab. Es zeigt aber auch, das es Menschen gibt mit Muslimischen Wurzeln, die sich aus diesem Ideologischen Gefängnis des doktrinären Islams befreien können. Indem Sie hinterfragen was der Islam (Der Koran) bedeutet.  Für ihr leben. Auch wenn so eine Geschichte wohl eher die Ausnahme sein wird.

***

© Alpha Rocking

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

Indexexpurgatorius's Blog

Just another WordPress.com weblog

SKBNEWS

ein mainstreamunabhängiger Nachrichten -und Informationskanal – Herausgeberin: Gaby Kraal

Wandern und Reisen Sonstiges

Reise Infos, Wander Infos.Sehenswürdigkeiten.

oekobeobachter

Informationen für Sie zu Umweltschutz und Ökologie - mit Schreibstube

Nundedie!

(Nom de dieu!)

European Task Force

Lobbyists in favour of the most vulnerable in society

PESTIZIDFREIE REGION - ©®CWG

PESTIZIDFREIE REGION - STIMME DER NATUR - REALE MITMACH-BEWEGUNG - INFO FORUM

Treue und Ehre

Treue dem Vaterland und Ehre den Vorfahren

Swiss Policy Research

Geopolitics and Media

Jürgen Fritz Blog

Politische Beiträge und philosophische Essays

seppolog

Irrelevanzen aus Münster.

%d Bloggern gefällt das: